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Neue Lichttechnik von ETC am Wiener Burgtheater

Neue Lichttechnik von ETC am Wiener Burgtheater 12/18/2011

Friedrich Rom, Leiter der Beleuchtung am Wiener Burgtheater, entscheidet sich für den Einbau eines neuen EOS-Lichtsteuersystems von ETC in Zusammenarbeit mit Werning Theatertechnik.

Unter den Repertoiretheatern der Welt gehört das Wiener Burgtheater zweifellos zu den renommiertesten Häusern – wer hier gelandet ist, hat es geschafft. Das zeigt die Liste der Schauspieler, Intendanten und Regisseure, die hier Theatergeschichte geschrieben und zum Teil für Furore gesorgt haben.
Weit vorausschauend hat Friedrich Rom, seit 1999 Chef der Beleuchtung, schon vor 2000 einen Zehnjahresplan erstellt, denn bereits damals war ihm klar, dass die Burg langfristig ein neues Steuersystem benötigen würde, um den enorm gewachsenen Anforderungen des heutigen Theaterlichts, z.B. durch den Einsatz von Moving Lights, weiterhin gerecht werden zu können. Nach ausführlicher Prüfung aller in Frage kommenden Fabrikate entschloss sich Rom, während der Sommer-Spielpause 2011 im Burg- sowie im Akademietheater zwei baugleiche Anlagen mit Eos-Lichtsteuerpulten und je einem Paradigm-System von ETC zu installieren.
Zur Umsetzung des Vorhabens wurde die Firma Werning Theatertechnik in Recklinghausen beauftragt, die wiederum in enger Zusammenarbeit mit den Produkt- und Servicespezialisten von ETC das Projekt abgewickelt hat.
Für die szenische Lichtsteuerung ist die sogenannte Eos RPU (Remote Processing Unit) das Herz der gesamten Anlage. Dieser Hauptrechner übernimmt als „Master“ die aktive Lichtwertausgabe. Von den beiden Bedienpulten des Typs Eos wird eine Konsole als Backup eingesetzt, die im Netzwerkverbund stets synchron mit der RPU arbeitet und als Hauptbedieneinheit die Aufführungen und Proben fährt. Die zweite Eos wird als Client genutzt und läuft in Proben oder Vorstellung wie "Eos 1" parallel, um z.B. im komfortablen „Multi-User-Betrieb“ dem zweiten Operator schnelles, unabhängiges Bearbeiten und Editieren zu ermöglichen.
Die Sicherheit einer Aufführung ist dabei jederzeit gegeben, da der Hauptrechner (RPU) in Verbindung mit einer Konsole ein vollwertiges Backup-Konzept bietet: die Konsole dient als Backup (und Bedienteil) der RPU und übernimmt im Störungsfall automatisch den Master-Zustand und somit einbruchsfrei die aktive Lichtwertausgabe. Sollte die Backup-Konsole ausfallen kann die Vorstellung problemlos mit der RPU über 20 frei belegbare Bedientasten und virtuelle, mit der Maus steuerbare Bedienelemente zu Ende gefahren werden.

Friedrich Rom erklärt den täglichen Arbeitsablauf: „In der Praxis wird bei Proben so gearbeitet, dass sowohl Hauptpult als auch Client personell besetzt sind und die Aufgaben folgendermaßen verteilt sind: Am Hauptpult wird die Probe gefahren und am Client wird gleich nachgebessert und korrigiert. So können mehrere Mitarbeiter im Team gemeinsam komplexe Aufgabenstellungen schnell bearbeiten.“
Das System wird durch Fernbedienungen (RFR – Radio Focus Remote) ergänzt; so hat der Lichtdesigner mittels eines iPad die Möglichkeit, flexibel Moving Lights zu steuern, Farben zu modifizieren oder Stimmungen zu fahren. Die Möglichkeiten der sog. iRFR (für Apple-Produkte) oder aRFR (Android-Plattform) werden auch ausgiebig von den Beleuchtern genutzt, um zum Beispiel von der Bühne aus Geräte zu testen oder einzurichten. Die direkt auf die Konsolen geführte Rückmeldung von den FDX-Dimmerschränken erleichtert zudem die anspruchsvolle Arbeit im Burgtheater.

Paradigm für Nebenfunktionen
Aufgaben wie die Steuerung des Arbeits-, Proben- und Zuschauerraumlichtes sowie der zahlreichen schaltbaren Direktstromkreisen werden über ein Paradigm-System aus dem Hause ETC übernommen. Die zeitgemäße und flexible Steuerung über Touch Screens erlaubt schnelle Navigation und jederzeit direkten Eingriff, denn sie sind über das Net3/sACN-Protokoll mit den Lichtpulten und dem gesamten System verbunden und ermöglicht dadurch vielfältige und unkomplizierte Steuerung aller im Burgtheater lichttechnisch relevanten Komponenten.
Der eigentliche Einbau der Systeme verlief trotz der komplexen, vernetzten Technik schnell. „In zwölf Tagen war alles erledigt", sagt Rom und fügt hinzu: „Das war für mich bereits der vierte Umbau einer Lichtanlage in einem Theater. Dank der guten Vorarbeit meines Teams und den Spezialisten von ETC ist alles absolut reibungslos verlaufen. Es gab nie wirkliche Schwierigkeiten.“
Ende Oktober luden das Burgtheater und Werning Theatertechnik zur Präsentation des neuen Eos-Systems ein – um Mitternacht, denn eine andere Zeit erlaubte der enge Spielplan nicht. So hatte man tagsüber eine Generalprobe, am Abend die Vorstellung von Schillers „Der Parasit“ und nachts die Eos-Präsentation, bei der Friedrich Rom in einem Showteil das Lichtdesign zu Songs von Orff bis Zappa übernommen und sehr eindrucksvoll demonstrierte, wie gut man mit „seinem“ neuen Setup im Theater auch Rock’n’Roll machen kann. Dank des motivierten Personals und der modernen Technik im Haus sind solch enge Termine und unterschiedliche Anforderungen zu stemmen.
Rom gibt zugleich noch einen Ausblick auf die Zukunft: „Derzeit ist geplant, für den Gastspielbetrieb-Betrieb ein Gio-Pult von ETC anzuschaffen, welches dann beiden Häusern – Burg- und Akademie-Theater – zur Verfügung stehen wird. Gio packt die für den Touringbetrieb erforderliche Steueroberfläche in ein mittelgroßes, ergonomisch ausgelegtes Gehäuse, bei gleichem Tastaturlayout und gleicher Software wie bei der Eos. Wir können also Produktionen im Haus ganz normal auf der Eos programmieren und dann die Vorstellungen auf die Gio übertragen, wenn wir auf Tournee gehen, wo oft beengte Platzverhältnisse herrschen und eine kompakte Bauform von großem Vorteil ist. Gio ist mit zwei kippbaren LCD-Multitouch-Displays ausgestattet, so lassen sich die Bildschirme für den Transport in eine flache Position bringen und bei der Programmierung in den gewünschten Winkel neigen. Der Programmierer kann das Display im Sitzen oder Stehen so neigen, dass er ganz bequem optimale Sicht hat. Das ist sehr praktisch, denn bei Gastspielen weiß man nie genau, was einen erwartet.“